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Quantität statt Qualität in den Fotoforen

Eine nicht ganz ernste philosophische Betrachtung

 

Nun, wer für sich den Entschluss gefasst hat, sich mit Fotografie zu beschäftigen, der wird um ein paar wesentliche Erfahrungen mit Internet-Fotoforen nicht herum kommen.

Die Digital-Fotografie hat es auch mir erst ermöglicht, intensiv in die Fotografie einzusteigen. Zu teuer und aufwändig war die Analogfotografie in weiten Teilen. Die Digitalfotografie ist auch deshalb so erfolgreich, weil man das Ergebnis einer Aufnahme unverzüglich bewerten und ggf. eine zweite angepasste Aufnahme nachlegen kann. 

Seitdem man auch mit Mobiltelefonen Fotos mit mehreren Megapixel Auflösung schiessen kann, ist Fotografie zu einem Massenphänomen geworden. Dazu gibt es im Internet zahlreiche Foren und Blogs, die einem die Welt der Fotos näher bringen.

 
Nur mit der Verbreitung der Technik ist die Qualität der Aufnahmen nicht wirklich besser geworden. Auch wenn es heute mindestens genau so viele gute Fotografen gibt wie früher, so ist doch diese Qualität unter einem Berg von  "geknipsten" Bildern schwerer zu entdecken. Jeder mag seine Fotos in der für ihn richtigen Qualität machen, schlimm wird es aber dann, wenn die Mitmenschen über Foren mit der eigenen Meinung belästigt werden.

 
Meine Erfahrung zeigt mir, dass man Fotografen und deren Reaktion auf Kritik in die folgenden vier Kategorien einteilen kann (frei nach Thomas Zerlauth):

 

• Stufe 1: Unbewusste Inkompetenz: Die Fotos sind nicht nur nach objektiven Kriterien schlecht, nein, der Fotograf bestreitet auch die mangelnde Qualität. Getreu dem Motto: „Die Unschärfe ist absichtlich dort“.  Meine Empfehlung: meiden Sie unbedingt Kontakt zu solchen Fotografen, ansonsten laufen Sie Gefahr viel Freude am Fotografieren zu verlieren. Leider sind die Diskussionsforen häufig voll von diesen Disputen - aus meiner Sicht, verlorene Liebesmühe.

 

• Stufe 2: Bewusste Inkompetenz: Mit dieser Stufe beginnt das eigentliche Lernen für jeden Fotografen. Man macht sich die schwächen seiner Aufnahmen klar und versucht diese zu abzustellen. Getreu dem Motto: „Einsicht ist der erste Weg zu Besserung“. Es gibt so viel hervorragende Fotos und Fotografen, so dass man diese Stufe sicher nie ganz verlassen sollte. Sie ist die Grundlage für Verbesserung.

 

• Stufe 3: Bewusste Kompetenz: Dies ist die Stufe auf der man schon einiges über das Fotografieren gelernt hat. Man weiß, was man kann, aber auch noch immer, was man nicht kann. Ich kenne Hobbyfotografen, die wohl mehr als 1.000 Fotos von der eigenen Katze gemacht haben – eines davon schöner als das Andere! Man muss nur wissen, was man will.

 
• Stufe 4: Unbewusste Kompetenz: Das ist letztlich die höchste Stufe der Entwicklung, die aber selbst kein Endstadium hat. Man fotografiert intuitiv und macht einfach gute Bilder. Das ist der Moment, bei dem man die Kamera und die Situation einfach sieht und richtig einschätzt. Am Anfang passiert dies selten, aber die Freude an einer scharfen, richtig gestalteten und belichteten Aufnahme ist Lohn für die Arbeit.

 

Man sollte sich nicht täuschen: Großartige Fotos sind das Ergebnis dieses teilweise langen Wegs. Ein Weg, der auch immer wieder Stufe 2 berücksichtigen sollte, denn man muss offen bleiben für die Begrenztheit der eigenen Fähigkeiten – selbst wenn man glaubt schon alles zu können.

 

Wobei Lernen einen Nachteil hat: Man fragt sich zu häufig, wie manfrüher nur so schlechte Aufnahmen machen konnte. Das Leben ist relativ.

 

Jeder mag seinen eigenen Anspruch an seine Fotos festlegen – ich wünsche viel Spaß beim Lernen.

 

Folgende Lebens-Weisheiten kann ich zu dem Thema noch ergänzen:

 

• Menschen, die Ihre Einschätzung zu Fotos mit einem teilen wollen, wollen so gut wie nie, dass man die eigene Einschätzung mit ihnen teilt.

 

• Die eine Sache, die alle Fotografen eint, unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion, Wohnort und Einkommen, ist die tiefe Überzeugung eines jeden, ein überdurchschnittlicher Fotograf (analog: Autofahrer) zu sein

 

• Wenn Du eine Gelegenheit suchst Dich als Fotograf so richtig zu blamieren, dann schieß ein Gruppenfoto mit Deckel auf dem Objektiv

 

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